Warum es verschiedene Adresstypen gibt

Bitcoin existiert seit 2009 — und in dieser Zeit hat sich das Protokoll weiterentwickelt. Jede Generation brachte ein neues Adressformat mit, das effizienter, günstiger oder privater ist als das vorherige. Das Problem: Alle vier Formate existieren parallel. Und wenn du nicht weißt, welches du nutzt, zahlst du möglicherweise bei jeder Transaktion unnötig hohe Gebühren.

Hier bekommst du den tiefen Einblick in alle vier Typen — deutlich über das hinaus, was in unserem Bitcoin-Adresse-Guide steht.


Die vier Bitcoin Adresstypen im Detail

1. Legacy (P2PKH) — das Original von 2009

Erkennung: Beginnt mit 1
Beispiel: 1A1zP1eP5QGefi2DMPTfTL5SLmv7DivfNa
Kodierung: Base58Check

Legacy-Adressen sind das Originalformat, das Satoshi Nakamoto implementiert hat. P2PKH steht für "Pay-to-Public-Key-Hash" — du sendest Bitcoin an den Hash eines öffentlichen Schlüssels, und der Empfänger beweist den Besitz durch Vorlage des Public Keys und einer gültigen Signatur.

Technischer Hintergrund: Bei einer Legacy-Transaktion müssen die Signaturdaten (Witness Data) im Hauptteil der Transaktion mitgeführt werden. Das macht jede Transaktion größer — und da Bitcoin-Gebühren pro Byte berechnet werden, zahlst du mehr.

Wann noch sinnvoll: Nur wenn ein Empfänger oder Dienst ausschließlich Legacy-Adressen akzeptiert. Das wird immer seltener.

Gebühren im Vergleich: ~100 % (Basis)

2. P2SH / Wrapped SegWit — der Kompromiss von 2017

Erkennung: Beginnt mit 3
Beispiel: 3J98t1WpEZ73CNmQviecrnyiWrnqRhWNLy
Kodierung: Base58Check

P2SH ("Pay-to-Script-Hash") wurde ursprünglich eingeführt, um komplexere Transaktionen zu ermöglichen — etwa Multisig-Wallets, bei denen mehrere Personen eine Transaktion genehmigen müssen. Als 2017 das SegWit-Upgrade kam, wurde P2SH als "Wrapper" genutzt: Man packte SegWit-Transaktionen in ein P2SH-Format, damit auch ältere Wallets sie verarbeiten konnten.

Technischer Hintergrund: Wrapped SegWit lagert die Signaturdaten teilweise aus, reduziert aber die Transaktionsgröße nicht so stark wie natives SegWit. Es ist ein Kompromissformat, das Abwärtskompatibilität über Effizienz stellt.

Wann noch sinnvoll: Als Übergangslösung fast überflüssig. Die meisten Wallets unterstützen inzwischen natives SegWit direkt.

Gebühren im Vergleich: ~74 % von Legacy

3. Native SegWit / Bech32 — der aktuelle Standard

Erkennung: Beginnt mit bc1q
Beispiel: bc1qar0srrr7xfkvy5l643lydnw9re59gtzzwf5mdq
Kodierung: Bech32

SegWit ("Segregated Witness") war das wichtigste Bitcoin-Upgrade seit Jahren. Der Kern: Die Signaturdaten werden vollständig vom Transaktionskörper getrennt und in einen separaten Bereich ausgelagert. Das spart Platz, senkt Gebühren und erhöht die Kapazität des Netzwerks.

Technischer Hintergrund: Native SegWit nutzt die Bech32-Kodierung, die speziell für dieses Format entwickelt wurde. Sie hat mehrere Vorteile gegenüber Base58Check: bessere Fehlererkennung durch eine eingebaute Prüfsumme (BCH-Code), nur Kleinbuchstaben (einfacher zu lesen und als QR-Code darzustellen), und sie ist effizienter kodiert.

Warum Bech32 Tippfehler besser erkennt: Base58Check (bei Legacy) erkennt Fehler mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 99,99 %. Klingt gut, aber Bech32 garantiert die Erkennung jedes Fehlers von bis zu 4 Zeichen und ist deutlich robuster bei benachbarten Zeichenvertauschungen.

Gebühren im Vergleich: ~62 % von Legacy

Unsere Empfehlung: Das ist der Typ, den die meisten Nutzer verwenden sollten. Praktisch jede moderne Wallet und Börse unterstützt ihn.

4. Taproot / Bech32m — die Zukunft (seit 2021)

Erkennung: Beginnt mit bc1p
Beispiel: bc1pmfr3p9j00pfxjh0zmgp99y8zftmd3s5pmedqhyptwy6lm87hf5sspknck9
Kodierung: Bech32m

Taproot wurde im November 2021 aktiviert und bringt drei wesentliche Neuerungen: Schnorr-Signaturen, MAST (Merkelized Abstract Syntax Trees) und eine verbesserte Privatsphäre.

Technischer Hintergrund: Schnorr-Signaturen ersetzen die bisherigen ECDSA-Signaturen und ermöglichen die Aggregation mehrerer Signaturen in eine einzige. Das bedeutet: Eine Multisig-Transaktion (z.B. 3-von-5) sieht auf der Blockchain genauso aus wie eine einfache Einzelsignatur-Transaktion. Niemand kann von außen erkennen, ob es eine komplexe oder simple Transaktion war.

MAST erlaubt es, komplexe Bedingungen für eine Transaktion zu definieren, aber nur den tatsächlich genutzten Pfad zu veröffentlichen. Das spart Platz und schützt die Privatsphäre.

Gebühren im Vergleich: ~58 % von Legacy (bei einfachen Transaktionen), noch weniger bei komplexen

Einschränkung: Noch nicht von allen Börsen und Diensten unterstützt. Die Adoption wächst aber stetig.


Vergleichstabelle

Legacy (1...) P2SH (3...) SegWit (bc1q...) Taproot (bc1p...)
Eingeführt 2009 2012/2017 2017 2021
Gebühren Hoch (100%) Mittel (74%) Niedrig (62%) Am niedrigsten (58%)
Fehlererkennung Gut Gut Sehr gut Sehr gut
Privatsphäre Gering Gering Gut Sehr gut
Kompatibilität Universal Sehr hoch Hoch Wachsend
Komplexe Transaktionen Nein Ja (Multisig) Ja Ja (erweitert)
Empfehlung 2026 ❌ Vermeiden ❌ Veraltet ✅ Standard ✅ Zukunftssicher

Prüfe deinen Adresstyp: Kostenloses Validator-Tool auf der Startseite


Sind verschiedene Adresstypen untereinander kompatibel?

Ja. Du kannst von jeder Adresse an jede andere Adresse senden — Legacy an Taproot, SegWit an Legacy, alles funktioniert. Das Bitcoin-Netzwerk versteht alle vier Formate.

Der Adresstyp beeinflusst nur die Gebühren und Features auf der Seite des Absenders. Wenn du von einer Legacy-Adresse sendest, zahlst du Legacy-Gebühren — egal ob der Empfänger eine SegWit-Adresse hat.


Welchen Typ solltest du nutzen?

Für die meisten Nutzer: Native SegWit (bc1q). Niedrige Gebühren, überall unterstützt, bewährt.

Für Technik-Interessierte und frühe Adopter: Taproot (bc1p). Die niedrigsten Gebühren und beste Privatsphäre — wenn dein Wallet und dein Empfänger es unterstützen.

Umstieg leicht gemacht: Du kannst jederzeit in deiner Wallet eine neue Adresse mit einem anderen Typ generieren. Deine alten Adressen bleiben aktiv, aber neue eingehende Transaktionen laufen über das effizientere Format.

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Letzte Aktualisierung: Februar 2026

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