Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine steuerliche Beratung. Bei individuellen Fragen wende dich an einen auf Kryptowährungen spezialisierten Steuerberater.


Das Wichtigste in 30 Sekunden

Bitcoin werden in Deutschland als privates Veräußerungsgeschäft besteuert — nicht wie Aktien. Das bedeutet: Kein pauschaler Abgeltungssteuersatz, sondern dein persönlicher Einkommensteuersatz. Klingt erstmal schlecht, hat aber einen riesigen Vorteil: Nach einem Jahr Haltefrist sind Gewinne komplett steuerfrei.


Die 1-Jahres-Haltefrist (Spekulationsfrist)

Die wichtigste Regel im deutschen Krypto-Steuerrecht: Wenn du Bitcoin länger als ein Jahr hältst, bevor du sie verkaufst oder tauschst, zahlst du auf den Gewinn keine Steuern. Null. Egal ob du 100 € oder 100.000 € Gewinn machst.

Beispiel:
- Kauf: 15. Februar 2025
- Verkauf ab 16. Februar 2026: steuerfrei
- Verkauf vor dem 16. Februar 2026: steuerpflichtig

Achtung — das zählt auch als Verkauf:
- Bitcoin gegen Euro tauschen → Veräußerung
- Bitcoin gegen Ethereum oder andere Coins tauschen → Veräußerung
- Mit Bitcoin etwas bezahlen → Veräußerung

Jeder dieser Vorgänge löst die Prüfung der Haltefrist aus. Im Klartext: Wenn du deine Bitcoin einfach ein Jahr lang hältst und nicht bewegst, bist du auf der sicheren Seite.


Die 1.000-Euro-Freigrenze

Verkaufst du innerhalb der 1-Jahres-Frist mit Gewinn, gibt es eine Freigrenze von 1.000 Euro pro Kalenderjahr (§ 23 EStG, seit 2024 angehoben von 600 €).

Wichtig — Freigrenze, nicht Freibetrag:
- Gewinn unter 1.000 €: komplett steuerfrei
- Gewinn ab 1.000,01 €: der gesamte Gewinn wird besteuert, nicht nur der Teil über 1.000 €

Das ist ein häufiger Fehler. Bei 1.001 € Gewinn zahlst du Steuern auf die vollen 1.001 € — nicht nur auf den einen Euro darüber.

Die Freigrenze gilt für alle privaten Veräußerungsgeschäfte zusammen — also Bitcoin + Ethereum + eventuelle Gewinne aus Immobilienverkäufen innerhalb der Spekulationsfrist etc.


Steuersatz: Was du tatsächlich zahlst

Bitcoin-Gewinne werden mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert (14–45 %, je nach Gesamteinkommen). Dazu kommt ggf. der Solidaritätszuschlag (5,5 % auf die Einkommensteuer) und Kirchensteuer.

Zum Vergleich: Aktiengewinne werden pauschal mit 25 % Abgeltungssteuer besteuert. Bei Bitcoin kann der Satz also höher oder niedriger ausfallen — je nach deinem Einkommen.


Mining, Staking & Lending

Mining: Einkünfte aus Bitcoin-Mining werden als sonstige Einkünfte (§ 22 Nr. 3 EStG) besteuert. Die Haltefrist der geminten Coins beginnt mit dem Erhalt.

Staking: Staking-Rewards sind ebenfalls sonstige Einkünfte und bei Erhalt zu versteuern. Ob die 1-Jahres-Haltefrist für gestakte Coins auf 10 Jahre verlängert wird, ist steuerrechtlich noch nicht abschließend geklärt. Das BMF-Schreiben von 2022 sagt: nein, die Haltefrist bleibt bei einem Jahr. Aber das Thema wird kontrovers diskutiert.

Lending: Zinserträge aus dem Verleihen von Bitcoin werden als sonstige Einkünfte besteuert.

Empfehlung: Bei Mining, Staking und Lending solltest du einen spezialisierten Steuerberater konsultieren. Die Regelungen sind komplex und können sich ändern.


DAC 8: Meldepflichten ab 2026

Seit dem 1. Januar 2026 gilt die DAC-8-Richtlinie der EU. Sie verpflichtet Kryptobörsen und Krypto-Dienstleister, Transaktionsdaten ihrer Nutzer automatisch an die Finanzbehörden zu melden.

Was das für dich bedeutet:
- Dein Finanzamt weiß, was du auf Börsen wie Bitpanda, Kraken oder Coinbase machst
- Nicht gemeldete Krypto-Gewinne werden deutlich leichter entdeckt
- Eine korrekte Steuererklärung ist wichtiger denn je

Praktisch heißt das: Die Zeit, in der man Krypto-Gewinne "vergessen" konnte, ist vorbei. Dokumentiere alles von Anfang an — das spart dir im Nachhinein viel Ärger.


Dokumentation: Was du festhalten solltest

Für jede Transaktion brauchst du:

  • Datum und Uhrzeit des Kaufs/Verkaufs
  • Menge der gekauften/verkauften Bitcoin
  • Kurs zum Zeitpunkt der Transaktion (in Euro)
  • Transaktionsgebühren (die mindern deinen Gewinn)
  • Wallet-Adressen (Absender + Empfänger)
  • Börse/Plattform, über die die Transaktion lief

Tools, die helfen:
- CoinTracking (deutsch, umfangreich)
- Accointing/Blockpit (aus Österreich, sehr gut für DACH)
- Koinly (international, einfache Oberfläche)

Die meisten Tools können Transaktionen direkt von Börsen importieren und erstellen einen Steuerreport, den dein Steuerberater verwenden kann.


Kurzfassung: Die 5 wichtigsten Regeln

1. Haltefrist von 1 Jahr einhalten → Gewinne sind steuerfrei
2. Unter 1.000 € Gewinn (innerhalb eines Jahres) → steuerfrei (Freigrenze)
3. Tausch Crypto-zu-Crypto zählt als Verkauf
4. Alles dokumentieren — Käufe, Verkäufe, Tausche, Gebühren
5. Ab 2026: DAC 8 meldet deine Transaktionen automatisch ans Finanzamt


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Letzte Aktualisierung: Februar 2026
Dieser Artikel ist keine Steuerberatung. Wende dich für individuelle Fragen an einen Steuerberater.

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